Onlineauktionshaus – Centauktionen Alternative zu Ebay & Co?

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Centauktion – Alternative zu Ebay & Co?

Iphone für 2,15 Euro, TV-Geräte für 17,97 Euro, Haushaltsartikel für 0,17 Euro: Centauktionen werben mit Topp- Angeboten und Riesenersparnissen. Es ist häufig von guten Alternativen zu Auktionsriesen wie Ebay die Rede und Neuware für wenige Cents oder Euros. Was hat es mit diesen Auktionen auf sich? Lässt sich tatsächlich Geld sparen oder ist dies Abzocke?

Einkaufen und Schnäppchenjagd über Internet liegt im Trend!

Immer mehr im Trend liegt Einkaufen online. Neben vielen Geschäften, die Onlinebestellungen anbieten, gibt es viele Auktionshäuser, in denen Neuware von Firmen gekauft werden kann oder auch Gebrauchtware von Privatpersonen. Einige Auktionshäuser haben ein vielfältiges Angebot und bieten bemerkenswerte Auswahl wie beispielsweise Ebay. Das Prinzip ist simpel: Firmen oder Privatpersonen stellen die zum Verkauf stehenden Artikel zum Sofortkauf (Festpreis) oder zum Ersteigertwerden ein mit Startpreis. Zu einem festgelegten Zeitpunkt endet das Angebot und den Artikel erwirbt derjenige, der das letzte Gebot in dieser Zeit abgegeben und dabei das höchste Maximalgebot hat. Andere Bieter gehen quasi einfach leer aus und haben keine Kosten. Abhängig von der Einstell-Auswahl der Artikel fallen in einigen Fällen Anzeigegebühren an für den Verkäufer sowie vom Gewinn ein prozentualer Anteil an den Auktionshändler abgeführt wird. Die Seriösität ist in Bewertungsspiegeln nachzulesen -sowohl für Käufer als auch Verkäufer. Ähnlich aufgebaute Auktionshäuser lassen sich auch über die Suchmaschine finden. Weiterhin finden sich immer häufiger sogenannte Cent-Auktionshäuser: Diese werben damit, Neuware zu einem Topp-Preis anzubieten, eine bessere Alternative zu Ebay & Co zu sein und mit Aufreißern wie Smartphones, TV-Geräte, Digitalkameras, Autos, Elektronikartikel, Haushaltsartikel, Bekleidung, Spielsachen, Geschenkgutscheine etc für ein paar Cents oder wenige Euros. Klingt verführerisch, oder?

Da bei solchen Preisen jeder erstmal misstrauisch wird, werden einige sich die entsprechenden Seiten dazu aufrufen oder auch Testberichte anschauen und durchlesen. Auf den ersten Blick betrachtet stellt sich der Verbraucher die Frage: „Wie dumm bin ich, dass ich da noch nicht angemeldet bin? Wo ist der Haken?“ Bei größeren namhaften Verlagen finden sich Berichte darüber, die ein positives Fazit daraus ziehen. Andere Seiten warnen vor diesen Auktionen mit teils verwirrenden Erklärungen.

Was passiert bei einer Anmeldung in einem Onlineauktionshaus?

Zuerst erfolgt eine Registration unter Angabe persönlicher Daten und darauffolgend eine Freischaltung über e-Mail. Anschließend erhält der neu angemeldete Kunde Zugang zu der kompletten Seite und Funktionen. Die angebotenen Artikel sind in Rubriken sehr übersichtlich gegliedert, sodass schnell nach gewünschten Produkten gesucht werden kann. Jeder Artikel kann einzeln aufgerufen werden. Zu sehen ist eine Artikelbeschreibung, ein Countdown, ein Sofort-Kaufen Button und Statistiken. In der Artikelbeschreibung finden sich Herstellerinformationen wie auf anderen Auktionshäusern. Unter Countdown ist die verbleibende Zeit festgehalten, bis der Artikel ausläuft. Bei dem Sofort-Kaufen Button steht der Betrag, der zu zahlen ist, wenn der Artikel sofort gekauft werden soll und unter Statistiken lässt sich einsehen, zu welchen Beträgen vorherige Artikel verkauft wurden.

Zum Ablauf einer Cent-Auktion- der optimale, vermarktete Verlauf

Jeder Artikel startet bei 0,00 Euro und es kann erst in den letzten 5 Minuten ein Gebot abgegeben werden. Dadurch erhöht sich der Artikelpreis um 1 Cent. Die Zeit läuft weiter ab und erfolgt kein weiteres Gebot darauf, ist der Artikel ersteigert und kann bezahlt werden. Es erfolgt eine Weiterleitung mit der Auswahloption der Zahlungsweise, die Versandkosten werden hinzuaddiert und der Kauf ist abgeschlossen. Wenige Tage später wird der gewonnene Artikel geliefert.

So traumhaft schnell und zuverlässig laufen die Auktionen meistens nicht

In vielen Fällen ist dies allerdings nicht so einfach und häufig steigern einige Personen mit. Jedes Mal, wenn in den letzten 20 Sekunden ein Gebot abgegeben wird, startet der Zähler erneut bei 20 Sekunden. Nach einer gewissen Zeit verkürzt sich dieses Intervall auf 10 Sekunden. Der Gewinner ist der, der nicht mehr überboten wurde und erhält den Artikel zum angezeigten Preis. Die, die nicht die Auktion gewonnen haben, erhalten die Möglichkeit, den Artikel zum Sofortkaufen – Preis zu erwerben innerhalb einer gewissen Zeitspanne – meistens 2 Stunden. Theoretisch hat jeder die Möglichkeit auf den ersten Blick betrachtet, Artikel zu einem totalen Dumpingpreis zu erwerben.

Wäre das nun alles, wären diese Centauktionshäuser nicht so umstritten und würden boomen ohne Ende, andere herkömmliche Auktionshäuser könnten vermutlich einpacken.

Cent-Onlineauktionshäuser sind nicht so günstig wie es auf den ersten Blick aussieht

Bevor ein Gebot abgegeben werden kann, werden „Gebote“ benötigt. In einigen Fällen gibt es ein paar geschenkt für Neukunden, normalerweise müssen diese gekauft werden. So kostet beispielsweise ein Pack mit 45 Geboten 22,50 Euro (50 Cent pro Gebot). Dadurch verändert sich die kostengünstige Rechnung erheblich.

Ein fiktives Beispielszenario, das verdeutlicht, wieso dies so ist

Der Kunde kauft also erstmal ein Paket mit Geboten und macht sich auf die Suche nach interessanten Artikeln. Er entdeckt nun ein Smartphone für 0,00 Euro und dieses steht bei 28 Minuten. Nach kurzer Überlegung kommt der Kunde zu dem Ergebnis, dass dies optimal in seine zeitliche Planung passt. Er schaut sich die Artikelbeschreibung durch, ruft die Statistik auf und sieht, dass das Handy bereits 5 Mal verkauft wurde zwischen 0,04 Euro und 18,32 Euro. Zum Sorfortkauf würde der Artikel 420 Euro kosten. Der erste Gedanke ist: „Ui, das ist günstig!“ und der Artikel landet auf der Beobachtungsliste. Da nun etwas Zeit ist, stöbert der Kunde in anderen Bereichen herum, getrieben von der Suche nach Schnäppchen. Nach 20 Minuten will der Kunde das erste Gebot abgeben und erhält die Information, dass dies erst in den letzten 5 Minuten möglich ist. Er hat zwischenzeitlich noch zwei weitere Artikel markiert, die er im Auge behalten möchte: ein TV-Gerät, für welches Sofort-Kauf für 350 Euro angeboten wird und ein kleines Lautsprechersystem, welches für 25 Euro mit Sofortkauf erhältlich ist. 2 Minuten vor Auktionsende von dem ersten Artikel- dem Smartphone- gibt der Kunde ein Gebot ab. Der Preis ändert sich von 0,00 Euro auf 0,01 Euro. Im Feld darunter erscheint nun „abgegeben Gebote“ : 1 x 0,50 Cent = 0,50 Euro und der Sofortkauf -Button mit 420 Euro steht weiterhin da. 15 Sekunden vor Ende fühlt sich der Kunde schon recht sicher, da kein weiterer geboten hat, 2 Sekunden vor Ende erhöht sich das Gebot auf 0,02 Euro und der Zähler steht wieder auf 20 Sekunden. Ein weiterer Benutzer der Seite hat nun angefangen mitzubieten und steht nun als Höchstbietender dort. Gebote werden nun wechselnd abgegeben, im Nebenfeld werden die Benutzer angezeigt, die bieten inklusive der Information, ob dies „manuell“ geschieht oder „automatisch“. Auf den meisten Seiten der Centauktionshäusern besteht die Möglichkeit, mehrere Gebote hintereinander automatisch durchlaufen zu lassen über eine Art Bot,der automatisch höher bietet, wenn der Kunde überboten wurde. Die Voreinstellung bietet im Schnitt 20-25 Gebote an, kann aber variabel eingestellt werden. Der Kunde benutzt dieses Tool spätestens dann, wenn er kurz vom PC wegmuss, da er nicht länger als 20 Sek Zeit haben könnte, bis der Artikel jemand anderes gewinnt. Nach einer gewissen Zeit wird das Bieten stressiger, da die Zeitspanne auf 10 Sekunden runtertickt. Drei Stunden später steht der Artikel bei etwa 9,97 Euro. Die Gebote des Kunden sind zwischenzeitlich ausgegangen und er kann nicht mehr bieten. Seine Abendplanung hat sich auch erledigt, da er statt seiner angedachten 28 Minuten nun seit knapp 3 Stunden beschäftigt ist mit dem Ersteigern. Da er nun aber bereits 45 Gebote abgegeben hat und das Smartphone unbedingt haben möchte, kauft er neue Gebotspakete ein. Er käuft diesmal ein Paket mit 150 Geboten, da er schließlich auch noch die anderen Produkte ins Auge gefasst hat. Er aktiviert automatisches Bieten bei dem Smartphone und lässt so 75 Gebote automatisch durchlaufen und die restlichen Gebote teilt er auf die anderen Artikel ein.

Kleine Zwischenrechnung:

45 Gebote hatte er auf das Smartphone verwendet, weitere 75 eingegeben zum automatischen Durchlaufen. Dies ergibt eine Summe von 120 Geboten. Die anderen 75 Gebote möchte er auf die zwei anderen Artikel verteilen. Die Ausgaben des Kunden liegen nun bei 195 Geboten, was 97,50 Euro entspricht.

Nachdem er sich fast sicher ist, dass er es nun endlich schafft, da vorher lediglich nur noch einer mit ihm um den Artikel geboten hat, passiert nun Folgendes: Seine Gebote laufen durch, es taucht wie auf dem Nichts ein neuer Bieter auf, der auch automatisch eingibt. Beim letzten Gebot läuft der Countdown runter, , bei 2 Sekunden will der Kunde sein letztes Gebot abgeben und das Bild hängt kurz – die Auktion ist verloren und beendet bei 15,73 Euro. Er kann das Smartphone zum Sofortkaufen – Preis erwerben, die abgegebenen Gebote würden in dem Fall abgezogen. 120 Gebote x 0,50 Euro = 60 Euro. Daraus ergibt sich, dass er nun „nur“ noch 360 Euro ausgeben müsste für das Handy zu kaufen und die Versandkosten. Er erhält den Hinweis, dass er zwei Stunden Zeit hat, sich das zu überlegen und entscheidet er sich dagegen, verfällt das Angebot.

Der Höchstbietende überweist nun 15,73 Euro und Versand und erwirbt somit das Handy. Wird das in Geboten umgerechnet, bedeuten 15,73 Euro = 1573 Gebote, die abgegeben wurden. Da ein abgegebenes Gebot im Regelfall 50 Cent kostet, ergibt sich hierdurch, dass 786,50 Euro bezahlt worden sind von verschiedenen Kunden insgesamt für die Auktion. Der Kunde ist enttäuscht, dass ein anderer die Auktion gewonnen hat, aber er hat ja noch zwei andere Auktionen ins Auge gefasst und Zeit über das Sofort-Kaufen-Angebot nachzudenken.

Bei der zweiten Auktion- dem TV-Gerät- gehen ihm die eingeplanten 50 Gebote aus und er möchte nicht mehr nachkaufen, da er wie in der ersten Auktion den Artikel nicht ersteigert hat und die dritte Aktion – die Lautsprecher- gewinnt er überraschend schnell und problemlos nach wenigen Geboten für 0,06 Euro.

Auktionen beendet- Der Kunde hat nun folgende Optionen in diesem fiktiven Beispiel:

Bei der zweiten Auktion hat er die selbe Möglichkeit wie bei der ersten- Sofortkauf oder alles weg- und bei der dritten kann er direkt den Preis überweisen für den gewonnenen Auktion und Versand. Entscheidet sich der Kunde nicht für einen Artikelkauf eines Smartphones bzw TV- Gerät, verfallen die Gebote in einem vorgegebenen Zeitrahmen (meist wenige Stunden). Wurde ein Artikel gekauft, muss dieser innerhalb weniger Tage überwiesen werden, sonst zerfällt der Kauf.

Für die Lautsprecher müssen der Betrag von 0,06 Euro sowie die Versandkosten überwiesen werden und stellen für sich alleine gesehen tatsächlich ein gutes Schnäppchen dar. Allerdings wundert sich der Kunde, dass auf den Artikel der Gewinner des Smartphones geboten hat, denkt sich aber nichts dabei.

Dies bedeutet im Klartext: Bei dem dritten Artikel hat der Kunde tatsächlich einen guten Preis gemacht; betrachtet er die anderen beiden verlorenen Auktionen ist er nun gezwungen, beide Artikel zu kaufen oder sich damit abzufinden, dass das Geld hierfür komplett weg ist.

Insgesamt betrachtet hat er 195 Gebote gekauft (97,50 Euro) und Lautsprecher erworben für 0,06 Cent + 4,90 Euro Versand. Das bedeutet, der Kunde hat in dieser Beispielrechnung über 100 Euro ausgegeben und lediglich Lautsprecher im Wert von 25 Euro erworben. Bedeutet, dies ist ein Verlust von mehreren Stunden Zeit und knapp 75 Euro.

Die Verbreitung von Cent-Auktionshäusern/ Penny-Auction

Weltweit verbreiten sich diese Online-Auktionsportale ziemlich rasch. In den USA gibt es zwei sehr große Anbieter, die mehrere Centauktionshäuser betreiben- im englischen als Penny Auction (übersetzt: Pennyauktion) bezeichnet. Diese sind EAA (Abkürzung von „Entertainment Auctions Association“) und PAMA (Abkürzung von „Penny Auctions Merchants Association“). Swoopo ist der größte Anbieter vom Vereinigten Königreich. Ein weiterer sehr bekannter Anbieter ist Quibids, der auch in Deutschland seine Dienste anbietet. Weitere Onlineauktionshäuser in Deutschland sind bidrivals, swoggi, snipster, centgebote und buycenter24. In der Schweiz wurden Online-Auktionshäuser 2012 verboten und ein Betreiber wurde wegen Verstoß gegen das Lotteriegesetz verurteilt.

Fazit über Cent-Onlineauktionshäuser

Diese Centauktionshäuser sind eher Glücksspiel als ernsthafte Auktionshändler. Vermutlich ist es der Fall, dass Bots oder Mitarbeiter dafür sorgen, dass die Preise hochgetrieben werden. Vermeintlich günstige Verkäufe sind nur für den Gewinner günstig- sofern die abgegebenen Gebote nicht mitberechnet werden. Der Kunde vergisst sehr schnell, dass jedes Gebot Geld kostet und hat häufig keine Zeit in Ruhe darüber nachzudenken, da Zeitdruck erzeugt wird. In vielen Erfahrungsberichten, die nicht so günstig ausfallen für diese Centauktionen wird oft erwähnt, dass kurz vor Ende nach einer gewissen Zeit Ruckler entstehen, die Zeit danach abläuft und die Auktion beendet ist. Einige Produkte können über Suchmaschinen gesucht und preislich verglichen werden. Hier ist es durchaus so, dass der Sofortkaufpreis manchmal günstig ist. Es ist nur sinnvoll auf Artikel zu bieten, die der Kunde auch zum Sofortkauf- Preis kaufen würde, da er ansonsten häufig viele Verluste macht und keine Ware dafür erhält. Auffällig ist, dass die selben Namen bei allen möglichen Artikeln auftauchen und vermutet werden kann, dass dies firmeneigene Bots oder Mitarbeiter sind. Da eine Auktion durch das vorhandene Bietsystem zeitlich solange verlängert wird, bis kein Gebot mehr erfasst wird, kann dies mehrere Stunden dauern, bis diese beendet ist.

Als Bezahloptionen sollten immer Wege gewählt werden, die abgesichert sind und bei denen das Geld zurückgeholt werden kann, falls keine Ware eintrifft. Es gibt Anbieter, die die „gewonnenen“ oder gekauften Produkte versenden und der Kauf an sich kein Problem darstellt, aber auch andere, die das Geld kassieren, aber keine Ware versenden – oder die Ware auf dem Transportweg verloren gehen würde. Es empfiehlt sich immer zu recherchieren, bevor sich angemeldet wird bei einem Cent-Auktionshaus. Einige haben verwirrende Firmenangaben oder können nicht wirklich nachverfolgt werden. Am Idealsten ist es zu schauen, ob eine Telefonnummer mit angegeben ist, diese zu testen und nachzuprüfen sowie die AGBs und Datenschutzbestimmungen sehr genau zu lesen, damit nicht in Bedingungen eingewilligt wird, die ungewollt sind. Das Kleingedruckte ist hier oft sehr wichtig zu beachten. In Berichten oder Foren wird öfters gewarnt vor Phishingattacken durch Cent-Auktionshäuser.

Geld sparen mit welchen Online-Auktionshäusern?

Personen, die auf der Suche nach echten Schnäppchen sind, sind bei den herkömmlichen Auktionshäusern, die das System ebay-ähnlich anbieten, definitiv besser aufgehoben. Centauktionshäuser fallen eher unter Glücksspiele und sind daher sehr mit Vorsicht zu genießen. Seriöse Verbraucherorganisationen warnen vor diesen Seiten wie beispielsweise K-Tipp oder Stiftung Warentest.

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